Radball in Ersingen

Veröffentlicht am 15. März 2025 um 17:02

Radball ist ein schneller, aber auch ein harter Sport: Stürze und kleine Schrammen gehören dazu.

Doch davon lassen sich die Spieler nicht abhalten.

mit hohem Tempo fahren die Räder um die Kurven-manchmal so schnell, dass dabei die Reifen quitschen und man als Zuschauer befürchtet, die Spieler könnten herunterfallen. mit durchgedrückten Knien stehen sie auf den Pedalen der Fahrräder, beide Hände an den Stangen des Lenkers, der mit seiner Form ein bisschen an ein U erinnert.

Bietet sich eine Gelegenheit, dem Gegner den kleinen weißen Ball abzuluchsen, dann sind die Sportler blitzschnell zur Stelle, dann kenne sie keine Gnade .

Haben sie den Ball erwischt, setzen sie alles daran, ihn mit einer schnellen,  zielgerichteten Drehung des eigenen Vorderrades und gegnerische Tor zu schießen - möglichst so, dass ihn der Torwart nicht mehr zu fassen bekommt.

Hat ein Team in der Ersinger Turn-und Festhalle einen Punkt erzielt, dann gibt es keine Unterbrechung, keine Jubelschreie: 

Beim Radball geht es sofort weiter. Es ist ein  schneller , ein harte Sport, bei dem Körperkontakt dazugehört, bei dem es nichts ungewöhnliches ist, auch mal zu stürzen.

Ein harter und schneller Sport

" Wer Radball spielt, der will auch gewinnen" sagt Hubert Harr, als es in der Halle noch ruhig ist. Wenige Minuten später wird sich das ändern.

Dann wird auch der Vorsitzende des Rad-und Motorsportvereins " Bahn frei" ( RMSV) auf ein Rad mit U- förmigem Lenker steigen, um mit seinem Spielpartner Ralf Scheier gegen ein Team aus Kieselbronn anzutreten.

" Wer Radball spielt, der will auch gewinnen"  Hubert Harr Vorsitzender des RMSV Ersingen e.V.

Am Samstag 14.Dezember 2024 , geht in Ersingen der letzte Vorrunden Spieltag der Landesliga über die Bühne .

Ausgerichtet vom württembergischen Radsportverband, gehören der Liga aktuell zwölf Mannschaften an.

Alle absolvieren pro Saison sechs Spieltage, von denen sie einige nach Möglichkeit auch selbst ausrichten.

In Ersingen hat der RMSV bei seinem Heimspieltag in der örtlichen Turn-und Festhalle zwei Teams vom RSV Offenburg zu Gast und jeweils eines vom RSC 2000 Kieselbronn, vom RMSV Enzberg und vom RVW Wimsheim.

Im Laufe der rund drei Stunden dauernden Veranstaltung treffen sie in verschiedenen Kombinationen aufeinander.

Für Nettigkeiten ist dabei kein Platz. " Auf dem Spielfeld herrscht ein harter Kampf", sagt Hubert Harr: " Da gibt es keine Freundschaft und kein Pardon".

Er spricht von einem körperbetonten Sport von harten Zweikämpfen . 

Mann gegen Mann. Immer wieder kommt es in Ersingen zu Zusammenstößen und Stürzen. Insbesondere dann, wenn zwei Spieler gleichzeitig auf den Ball zurasen.

Gemeinschaft und Nachwuchsarbeit

" Blaue Flecken oder kleine Schrammen gehören bei uns dazu" erzählt Hubert Harr : " Aber etwas Ernstes kommt so gut wie nie vor".

Was auf dem Spielfeld passiert, ist hinterher vergessen. Man gibt sich die Hand und trinkt etwas miteinander.

Beim Heimspieltag in Ersingen herrscht abseits des sportlichen Wettkampfes eine entspannte Atmosphäre: Alle kenne sich , alle duzen sich.

Man tausch Neuigkeiten aus , teilweise auch private Geschichten.

Als eingeschworene Gemeinschaft würde Hubert Harr die Radballer zwar nicht bezeichnen. Aber er weiß, dass es nicht viele gibt, die den Sport betreiben. Auch heute muss er oft noch erklären, was Radball eigentlich ist.......

 

Um ein gutes Niveau zu erreichen, dauert es zwei bis drei Jahre. Schnelle Erfolgserlebnisse darf man nicht erwarten. Das macht es für Radballvereine tendenziell schwierig, ausreichend Nachwuchs zu gewinnen. Wobei man in Ersingen gut aufgestellt ist. Aktuell hat man dort neben zwei Erwachsenen- auch zwei Jugendmannschaften, eine davon als Spielgemeinschaft mit Enzberg.

Einen Einstieg würde Harr für Kinder ab acht Jahren empfehlen, je nach Begabung auch schon etwas früher. Er selbst war 13, als er mit Radball angefangen hat, gemeinsam mit seinem damaligen Schulfreund Ralf Scheier, mit dem er bis heute ein Team bildet. Beide können sich hundertprozentig aufeinander verlassen, beide verstehen sich auch ohne Worte.

 

Während man beim Heimspieltag in anderen Teams lautstark gerufene Anweisungen hört, geht es bei Harr und Scheier ganz ruhig zu. Wenn das Spiel läuft, stehen sie dauerhaft unter Strom. Denn beim Radball kann man sich so gut wie nie ausruhen. Man muss ständig das ganze Spielfeld im Auge behalten, immer wissen, wo die Gegner und der eigene Mitspieler stehen.

Ergibt sich eine Gelegenheit, darf man nicht lange zögern. Wer nicht schnell genug ist, vergibt Chancen. Wer mit den Füßen den Boden berührt oder sich irgendwo festhält, verliert das Schlagrecht und darf keinen Ball mehr spielen. Um es wiederzuerlangen, muss man hinter die eigene Torlinie fahren.

Beim Radball ist Kondition gefragt

Spielunterbrechungen gibt es beim Radball nur, wenn sich ein Sportler verletzt hat oder ein konkretes Verletzungsrisiko besteht. Etwa durch eine abstehende Speiche. Auch nach Toren und Schüssen ins Seiten aus geht es direkt weiter. Zwar dauert ein Spiel nur zweimal sieben Minuten.

 

Zwar ist das Spielfeld in Ersingen nur zehn auf zwölf Meter groß. Aber das reicht. „Danach ist man total fertig“, sagt Harr: „Am Ende des Spieltags braucht man nichts mehr.“ Gespielt wird mit einem auf das Notwendigste reduzierten Fahrrad: Bremsen gibt es ebenso wenig wie eine Gangschaltung, dafür spezielle Schlauchreifen mit ganz feinem Profil, zudem eine direkte Verbindung zwischen Pedal und Hinterrad, die es erlaubt, rückwärtszufahren, auf dem Hinterrad zu drehen und stehenzubleiben.

Alles läuft über Muskelkraft und Kondition. Zudem braucht man Gleichgewicht und Koordination, Aufmerksamkeit und Konzentration. Für gewöhnlich gibt es beim Radball innerhalb der Zweier-Teams eine feste Aufteilung: Einer der beiden Spieler übernimmt den Bereich um das Tor, der andere das Feld.

Freude am Spiel trotz Niederlage

Beim Heimspieltag in Ersingen kümmert sich Harr um das Tor und sein Kollege um das Feld. Früher war es andersherum. In ihrem ersten Spiel können die beiden keinen Treffer landen: Die Gegner aus Kieselbronn gewinnen. Harr hat trotzdem gute Laune, als er das Spielfeld verlässt: „Das hat wieder richtig Spaß gemacht.“

Verfasser Nico Roller / BNN( ausführlicher Bericht)


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